Anton Lang heftet sich eine Woche lang in Berlin auf die Fersen von MdB Karl HolmeierVon Wolfgang Fischer
Cham. Politik kann ganz schön anstrengend sein. Das weiß seit kurzem Anton Lang, Trainer für Führungskräfte und Mitglied der Chamer Wirtschaftsjunioren. Eine ganze Sitzungswoche lang durfte er den Bundestagsabgeordneten der CSU, Karl Holmeier, in Berlin begleiten und hatte Mühe, dem flotten Weidinger Bürgermeister bei dessen ambitionierten Tagespensum auf den Fersen zu bleiben. Trotz der spannenden Woche steht für Lang fest: „Tauschen möchte ich mit Holmeier nicht."

„Ein Superteam"
Schon um 7.30 Uhr stehe der die Landkreise Schwandorf und Cham in Berlin vertretende Abgeordnete in seinem nicht besonders üppig dimensionierten Büro im Bundesabgeordnetenhaus täglich auf der Matte, wundert sich Lang. Doris Hapke und Jens Pawlowski, seine Mitarbeiter, legten ihm die Post vor und informierten ihn über den minuziös getakteten Tagesfahrplan. „Die sind ein Superteam", sagt der Praktikant aus der Wirtschaft.

Beim Arbeitsfrühstück in der Cafeteria erörterten die Parlamentarier in kleinem Kreis aktuelle politische Themen. „Da gab es in dieser Woche nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich sowie mit der Verschiebung des Fertigstellungstermins beim Berliner Großflughafen einiges zu besprechen", erinnert sich Lang. Zum Zeitunglesen bleibe da keine Zeit.

Den Rest des Tages bestimmen Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen. Ein durchaus anspruchsvolles Programm, das sich Holmeier, wie die meisten Kollegen, zumutet, findet jedenfalls der früher in Lohberg und heute in Marburg ansässige Lang. In den Katakomben unter dem Zentrum der Macht haste der Weidinger von einer Sitzung zur nächsten. Oft seien Strecken bis zu einem Kilometer zurückzulegen. „Da hat der Herr Holmeier ein ganz schönes Tempo vorgelegt", wundert sich sein Begleiter. Dabei nutze der Weidinger die Gehzeit häufig noch für Telefonate. Etwa, um eine gemeindliche Angelegenheit zu regeln oder einen Nachbarbürgermeister in der Heimat zu kontaktieren.

Immer hellwach
Was lang besonders beeindruckt hat: Trotz der stundenlangen Sitzungen sei Holmeier hellwach. Vor allem, wenn es um Fördertöpfe geht. „Dann steht er voll unter Spannung, macht sich eifrig Notizen und fragt nach", berichtet Lang. In den Ausschüssen für europäische Angelegenheiten sowie Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sei der ehrenamtliche Bürgermeister jedenfalls gut aufgehoben, glaubt der Führungskräftetrainer. „Hier kann er für seinen Wahlkreis viel erreichen".

Obwohl Lang bei dem Abgeordneten durchaus auch eine staatsmännische Komponente ausgemacht hat: Als die FDP in einem Memorandum den ungarischen Staat wegen dessen Medienpolitik heftig kritisieren wollte, habe sich Holmeier, Berichterstatter seiner Fraktion in Sachen Ungarn, erfolgreich für eine Abschwächung der Formulierung eingesetzt. Letztlich
wohl der richtige Weg, wie Lang meint, zumal die ungarische Regierung später einlenkte. Überhaupt hat der Praktikant den Abgeordneten als einen „sehr besonnenen Politiker" erlebt.

Wenn ' der tägliche Terminplan abgearbeitet ist - manchmal reicht's nur zu einer Wurstsemmel als Mittagessen - und eine letzte Besprechung mit den Mitarbeitern - oft erst um 19' Uhr - stattgefunden hat, startet Holmeiers Abendprogramm. Und auch das ist nicht ohne, wie Lang anhand eines Beispiels schildert: „Zuerst haben wir den Vortrag einer ausländischen Fluglinie besucht, die die Airports in Berlin und Stuttgart häufiger anfliegen will, dann war Small Talk beim DGB und zum Abschluss ein Empfang der Jungen Union", erzählt Lang. Feierabend gegen 23 Uhr. Holmeiers Angebot zu einem Schlummertrunk habe er ablehnen müssen, sagt Lang, er sei „einfach zu kaputt gewesen".

Wer „schwänzt" zahlt
An 21 Sitzungswochen im Jahr wartet auf Holmeier dieses Programm. Wenn er einen Tag schwänzt, kostet ihn das 50 Euro, am Donnerstag und Freitag, wenn das Plenum tagt, das Doppelte. Doch wenn seine Anwesenheit im Stimmkreis gefragt ist, lässt sich Holmeier das schon einmal einen Hunderter kosten. „Am Donnerstagabend hat er den letzten Flieger genommen, um am nächsten Tag in Cham bei der Einweihung des Biomasseheizkraftwerks dabei zu sein", petzt sein Praktikant.

Lang hat, wie er sagt, auf Holmeiers Fersen Berührungsängste gegenüber der Politik abgebaut. Obwohl die Tage in Berlin für ihn hochinteressant waren, möchte er nicht mit Holmeier tauschen. Aber: „Ich bin froh, dass es Politiker wie ihn gibt."

Quelle: Chamer Zeitung

   
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