Roider EdmundBürgermeister Edmund Roider (CSU) im Interview - Kommunalwahl am 16. März
Pösing. Am 16. März werden in zahlreichen Bayerischen Gemeinden ein neuer Gemeinderat und ein neuer Bürgermeister gewählt. Im Interview mit der Chamer Zeitung äußern sich die Bürgermeister und -kandidaten zu aktuellen Themen in ihren Gemeinden und stellen ihre Pläne vor.

Chamer Zeitung: Wie schätzen Sie die aktuelle Finanzlage der Gemeinde ein? Wie könnten Verbesserungen erreicht werden?

Edmund Roider: Die Finanzlage war vor 20 Jahren angespannt und ist es auch heute noch! Uns drücken nach wie vor circa 1 Million Euro Schulden. Trotz Investitionen in Höhe von circa 2,95 Millionen Euro haben wir den Schuldenstand von vor sechs Jahren nicht erhöht, aber leider auch trotz jährlicher „Sparhaushalte" nicht zurückführen können. Die Finanzausstattung der kleinen Gemeinden im ländlichen Raum muss einfach noch besser werden. Der Freistaat Bayern hat zwar die Finanzausgleichsmittel in den letzten Jahren erhöht, aber es fehlt immer noch an einem soliden finanziellen Grundstock, damit notwendige Investitionen nicht immer wieder aufgeschoben werden müssen.

Welches sind die drei wichtigsten Projekte, in die Sie künftig investieren wollen?

Schnelles Internet für alle Bürger, Sanierung von Kläranlage und Kanal, Erschließung des „Baugebietes Hartwiese" fortsetzen.

Stellen Sie sich vor, Ihre Gemeinde hätte keine Geldsorgen. Was würden Sie verwirklichen?

Da würde Ihr Platz in der Zeitung nicht reichen!

Der soziale Bereich wird in Zukunft wohl eine der größten Herausforderungen für Politik und Gesellschaft. Welche Basis können Kindergärten und Schulen hier schaffen? Welche Werte sollten den Kindern und Jugendlichen von Eltern und Pädagogen vermittelt werden?

Der Kindergarten und die Schule können die Erziehung im Elternhaus nicht ersetzen. Aber ich denke, dass bei vielen Kindern die Kindergarten- und Schulzeit prägend für das gesamte Leben sind.
Meines Erachtens sind Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Toleranz und Höflichkeit wichtige Eigenschaften, die man einem Kind von klein an vermitteln sollte.

Wie kann die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gelingen? Tun die Kommunen auf diesem Gebiet genug?

Da haben wir in Pösing kein Problem, weil wir sehr wenige Mitbürger mit Migrationshintergrund haben. Integration kann nur gelingen, wenn sie vom Bürger und den Vereinen gelebt wird. Der Staat beziehungsweise die Kommune können nur unterstützend wirken und die Rahmenbedingungen setzen.

Welche Probleme sehen Sie hinsichtlich der demographischen Entwicklung? Wie könnte dieser Umstand ein Gewinn für Unternehmen und Gesellschaft werden? Welche Wege sollten Kommunen beschreiten, damit die Alten in Würde leben können?

Pösing gehört zu den wenigen Gemeinden, wo die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren sehr stabil geblieben ist. Das war allerdings kein Selbstläufer. Mein Vorgänger und auch der derzeitige Gemeinderat haben die Weichen richtig gestellt und neben der Ausweisung von Bauland auch die entsprechende Infrastruktur geschaffen beziehungsweise erhalten können.
Die Wertschätzung für ältere Arbeitnehmer wird sicherlich steigen. Auch in den Vereinen hoffe ich, dass sich die Älteren nicht zurückziehen.
Wir brauchen diese Generation im Ehrenamt mehr denn je. Dem örtlichen Sportverein mit 700 Mitgliedern zum Beispiel steht ein Pensionär vor!
Die Ideen liegen längst in der Schublade! Jede Gemeinde sollte für ihre alten Bürger, die zu Hause aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr gepflegt werden können, Einrichtungen schaffen können, damit sie auch im hohen Alter nicht ihre Heimatgemeinde verlassen und irgendwo im Landkreis in ein Pflegeheim müssen. Ob dies allerdings überall möglich sein wird, ist ganz klar eine Frage des Geldes.

Wie bietet Ihre Gemeinde den Jugendlichen eine Heimat, damit sie sich aufgehoben fühlen und nicht den Gefahren von Drogen und Gewalt erliegen? (Jugendarbeit in Vereinen, Jugendtreff, Gemeinschaftseinrichtungen?)

Mit Stolz kann ich sagen, dass die Pösinger Vereine eine hervorragende Jugendarbeit leisten. Ob Feuerwehr, Fußball, Tennis, Schießsport, Angeln oder Rhythmik — jedem Kind in Pösing werden breitgefächerte Möglichkeiten an Freizeitgestaltung angeboten. Darüber hinaus haben wir in Pösing einen öffentlichen Jugendraum im Gemeindehaus, um den uns viele beneiden. Sicherlich gibt es da hin und wieder kleine Schwierigkeiten mit der Lautstärke oder dem Reinigungsdienst, aber wir waren ja auch jung und auch uns musste man manchmal die Grenzen aufzeigen.

Die Ansiedlung von neuen Industrie- und Gewerbebetrieben ist von großer Bedeutung. Sind Sie mit der derzeitigen Situation zufrieden? Gibt es noch freie Kapazitäten?

Wir haben noch circa 10 000 Quadratmeter freie Gewerbefläche ausgewiesen. Jedoch ist die Verkaufsbereitschaft der Grundstücksbesitzer nicht sicher. Derzeit sucht ein Pösinger Betrieb eine Fläche, um seinen Standort für die Zukunft zu sichern. Ich hoffe, dass es klappt.

Die Kommunen befinden sich auf diesem Gebiet in Konkurrenz zueinander. Viele sind wegen ihrer örtlichen Lage benachteiligt. Ist das System, wie die Gewerbesteuer verteilt wird, noch zeitgemäß oder bedarf es einer Reform?

Das werden die Gemeinden untereinander auch unterschiedlich beurteilen. Die Stadt Roding zum Beispiel hat vor mehreren Jahren schon die Voraussetzungen für eine „Industriestadt" geschaffen. Da hat sie auch trotz Wirtschaftsförderung viel Geld in die Hand genommen. Dann ist es auch legitim, jetzt entsprechende Gewerbesteuereinnahmen zu erzielen. Eine kleine Gemeinde wie Pösing hat auch Mittelstandsbetriebe und Gewerbesteuereinnahmen. Leider in den letzten Jahren mit sehr großen Schwankungen und kontinuierlichem Rückgang. Eine gerechte Lösung sehe ich derzeit durchaus in dem Instrument der sogenannten Schlüsselzuweisungen des Freistaats Bayern.

Die Belange der Umwelt spielen eine immer größere Rolle. Um geeignete Areale zu schaffen, werden zunehmend landwirtschaftliche Flächen versiegelt oder sogar Wälder abgeholzt. Wäre es nicht von Vorteil, wenn Städte und Gemeinden sich zusammenschließen, um gemeinsam geeignete Gewerbegebiete auszuweisen anstatt jeder für sich alleine?

Genau das haben wir mit Pösing und Stamsried zusammen vor. An eine Ausweisung wäre aber erst gedacht, wenn konkrete Anfragen von ansiedlungswilligen Firmen vorliegen würden. Eine sogenannte „Bevorratung" eines Gewerbegebietes könnte sich Pösing, auch zusammen mit Stamsried, finanziell nicht leisten.

Welche Bedeutung hat das Bürgermeisteramt für Sie persönlich?

Obwohl ich jetzt schon sechs Jahre im Amt bin, habe ich immer noch großen Respekt vor dieser Aufgabe und versuche nach wie vor, bei jeder Entscheidung auch die Konsequenz für den Bürger im Blick zu haben.

Was läuft im Rathaus besser als im Landtag oder Bundestag, und warum?

Es läuft im Rathaus wahrscheinlich deshalb besser, weil wir in unserer täglichen Gemeinderatsarbeit keine Parteizwänge kennen und unsere Entscheidungen vor Ort spürbar sind.

Sie müssten einen Slogan für Ihre künftige Arbeit finden. Wie würde dieser lauten?

„Pösing mitgestalten" — dies ist auch das Motto des Flyers unserer Gemeinderatskandidaten. Wir möchten uns nicht herausnehmen, dass wir alles besser machen können als andere. Darum der Slogan, zusammen mit allen Bürgern „Pösing gestalten!"

Die großen Unternehmen und Konzerne tun sich offenbar ein wenig schwer mit der Frauenquote. Was können Frauen in Politik und Gesellschaft bewirken? Was können Frauen besser als Männer?

Frauen sehen gewisse Dinge aus einem anderen Blickwinkel und können dadurch Entscheidungen in eine andere Richtung beeinflussen.
Frauen sind grundsätzlich eine Bereicherung — ob im Vorstand eines Konzerns oder am Gemeinderatstisch. In Pösing ist schon seit drei Perioden ein Viertel der Gemeinderäte weiblich. Das hat der Gemeindepolitik sicher nicht geschadet!

Zur Person
Name: Edmund Roider
Alter: 51 Jahre
Beruf: Beamter
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beliebtes Urlaubsziel: Caorle
Hobbys: Fußball
Ehrenämter: O GV-Vorsitzender Politische Tätigkeit: CSU-Ortsvorsitzender, Vorstandschaft CSU-Kreisverband
Lieblingsbuch: Bücher von Karl May
Lieblingsfilm: Winnetou
Vorbild: keines

Quelle: Chamer Zeitung

   
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