Das hat die CSU noch nicht erlebt:

Pfiffe und Buhrufe für den Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber gestern beim Parteitag in München. Viele Delegierte nehmen dem Ex-Parteichef übel, dass er bei der Ablösung von Ministerpräsident Günther Beckstein nach dem Wahldesaster vom 28. September (minus 17,3 Prozent) im Hintergrund die Strippen gezogen haben soll. Auch lasten sie ihm eine Mitschuld am Verlust der absoluten Mehrheit der CSU an. 

 

Beckstein wurde von den Delegierten hingegen mit minutenlangem Applaus und Bravo-Rufen empfangen.

„Die Menschen haben BMW gewählt und bekommen jetzt Audi“, sagte ein Delegierter mit Blick auf Seehofers Heimat Ingolstadt, dem Sitz von Audi. 

Standing Ovations gab es auch für die Rede des scheidenden Parteichefs Erwin Huber.

Seehofer war klar, dass er nur noch mit einer fulminanten Rede die Delegierten hinter sich bringen würde. Er rief zur Geschlossenheit auf, machte der CSU Mut, kündigte bei der Erbschaftssteuer weiter Widerstand an: „Da sind wir Überzeugungstäter.“ Und er forderte eigene Freibeträge für Bayern, damit selbst genutzte Häuser und weitergeführte Betriebe im Erbfall steuerfrei bleiben.

In der Großen Koalition wolle er als CSU-Chef ein unbequemer Partner sein: „Meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken.“

Das kam gut an: Die Delegierten wählten ihn mit 90,3 Prozent zum Vorsitzenden.

Dagegen erhielt Landesgruppenchef Peter Ramsauer bei der Wahl zum Partei-Vize einen Dämpfer (nur 67 Prozent). Außerdem stimmte der Parteitag dem Regierungsbündnis mit der FDP in Bayern zu.

Am Montag soll der Landtag Seehofer zum neuen Ministerpräsidenten wählen. Dann ist auch seine Ehefrau Karin dabei, die beim CSU-Parteitag fehlte.

Seine Wahl zum Parteichef feierte Seehofer abends privat mit der Familie: „Ich fahre nach Hause und trinke da ein Gläschen.“

Am heutigen Sonntag trifft sich Seehofer mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Thema: Wer wird sein Nachfolger als Bundeslandwirtschaftsminister? Nach BamS-Informationen soll der Bundestagsabgeordnete Karl-Theodor von und zu Guttenberg (36) als Nachwuchstalent eine Chance bekommen. Der Erbschaftssteuerstreit dürfte ebenfalls erörtert werden.

Die SPD erwartet in diesem Punkt jetzt die Zustimmung der CSU. SPD-Vize Peer Steinbrück: „Horst Seehofer hat als Landwirtschaftsminister im Bundeskabinett der Reform der Erbschaftssteuer zugestimmt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er auch als bayerischer Ministerpräsident im Bundesrat zustimmen wird. Denn anderenfalls fehlen ihm 800 Millionen Euro im bayerischen Haushalt.“

 

   
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