Porträt. Der charismatische Oberbayer, der über so viele Talente verfügt, soll seine Partei aus der schwersten Krise seit einem halben Jahrhundert führen.


Von Carsten Hoefer, DPA

 

München. Horst Seehofer steht vor seiner schwersten Aufgabe: Er ist die letzte Hoffnung der CSU. Der Hüne aus Ingolstadt vereinigt mehrere Eigenschaften in sich. Viele halten ihn für den größten Charmeur der CSU, ihren stärksten Einzelspieler – und für ein Chamäleon, das seine Farbe je nach Bedarf in Windeseile wechselt. Nun soll der 59-Jährige seine Partei aus ihrer schwersten Krise seit einem halben Jahrhundert führen. Bisher war er intern umstritten. Doch seit der CSU-Katastrophe bei der Bayern-Wahl gilt das nicht mehr. Mit Seehofer soll ein Relikt der Kohl-Ära im Herbst seiner politischen Karriere die darniederliegende CSU zu neuem Glanz führen. Der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter nennt ihn „die letzte Patrone im Colt der CSU“.

Kein anderer CSU-Politiker kann sein Publikum so einwickeln wie Seehofer. Der charismatische Oberbayer besitzt ein besonderes Talent: Er gibt seinen Zuhörern das Gefühl, er sei einer von ihnen. Viele in der CSU sehen ihn aber auch als ewigen Taktierer, der sich immer alle Optionen bis zur letzten Sekunde offenhält. „Das Schönste ist, wenn das Gegenüber erst nach fünf oder sechs Zügen merkt, welche Bedeutung der erste Zug hatte“, sagt Seehofer selbst. Er machte in den vergangenen Tagen den Eindruck, als sei ihm selbst bang vor der Schwere der Aufgabe: Die großen Erwartungen könne er nicht erfüllen, sagt er.

Seine erste Niederlage hat Seehofer bereits vor Amtsantritt erlitten. In seinem Auftrag sollte die alte Staatsregierung mit Ministerpräsident Günther Beckstein und dem Parteivorsitzenden Erwin Huber den Vorstandschef der schwer angeschlagenen BayernLB, Michael Kemmer, aus dem Amt kegeln. Das misslang – und Seehofers Autorität steht in Zweifel.

Doch hat Seehofer schon ganz andere Krisen überstanden. Eigentlich war er schon „politisch tot“, wie er selbst einräumt. Seit 1980 im Bundestag, erreichte er den ersten politischen Gipfel als Bundesgesundheitsminister in der Regierung Kohl. Es folgten bittere Jahre: die Wahlniederlage der Union 1998 und eine lebensgefährliche Herzkrankheit.

Nach seiner Rückkehr in die Politik überwarf sich Seehofer im Streit um die Gesundheits-Kopfpauschale mit CDU-Chefin Angela Merkel. Der Parteivize schwänzte auch noch einen CSU-Parteitag – Seehofer ging lieber zum Zahnarzt. Der damalige Parteichef Edmund Stoiber kochte. Seehofer verlor seinen Posten als Unionsfraktionsvize im Bundestag. Doch ein Jahr später war er wieder da: als Bundesagrarminister.

Von Landwirtschaft hatte der Sozial- und Gesundheitspolitiker bis dahin keine große Ahnung. Doch Seehofer war bereits nach wenigen Wochen fachkundig. Viele Lorbeeren erntete er obwohl er dort persönlich gut ankam. Doch Seehofer fuhr einen Schlingerkurs im Streit um die grüne Gentechnik und die geplante Abschaffung der Milchquote.

Seehofers Lebenstraum ist der CSU-Vorsitz, das sagt er selbst. Dass er auch Ministerpräsident werden könnte, davon war bis vor kurzem nie die Rede. In der Landtagsfraktion in München war Seehofer bislang nicht allzu populär. Viele Abgeordnete hatten das Gefühl, dass der große Bundespolitiker die Kollegen im „weiß-blauen Puppenküchentheater“ (Franz Josef Strauß) nicht sonderlich ernst nahm.

Quelle: www.mittelbayerische.de 

   
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