Cham. 1991 machte Karl Holmeier einen radikalen Schnitt. Er kündigte bei der Sparkasse und verschrieb sich voll und ganz der Politik.

Holmeier widmete sich seinem Amt als Bürgermeister der Gemeinde Weiding, wurde Sprecher der CSU-Fraktion im Kreistag und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages. Jetzt, 18 Jahre später, könnte der nächste große Bruch anstehen: Der Weidinger bewirbt sich als CSU-Direktkandidat im Wahlkreis Cham/Schwandorf um einen Sitz im Deutschen Bundestag. Sorge, dass ihm das (mitunter) elitäre Gehabe auf dem Berliner Parkett nicht liegen könnte, hat der bodenständige Oberpfälzer nicht. „Ich stehe für Politik mit Bodenhaftung", versichert Karl Holmeier. In dieser Hinsicht will er sich auch nicht verbiegen lassen: „Ich werde mich nicht ändern und fürcht' mich nicht."

An seinem Arbeitsplatz im Weidinger Rathaus läuft alles zusammen. Von da aus bereitet er die Dienstversammlung der Bürgermeister zur Einführung der Mittelschule vor, schreibt Brandbriefe an die Telekom wegen der mangelhaften DSL-Anbindung und organisiert nebenbei auch noch den Ausflug der Weidinger Seniorengruppe. Eben diese Bandbreite an Aufgaben, Terminen und Themen sieht Karl Holmeier als optimales Rüstzug für die Arbeit im Bundestag. „Ich kenne die Sorgen der Bürger", stellt der Weidinger fest. Und er hat erfahren, mit welchen Problemen die Bürgermeister auf dem flachen Land zu kämpfen haben. Wenn sie um den Erhalt ihrer Schulen kämpfen, um den Ausbau von Straßen ringen oder ihren Gemeindebürgern einen schnellen Internetanschluss bieten wollen. Da schreckt der Weidinger nicht davor zurück, sich mit Konzernvorständen der Telekom anzulegen. Sofern diese behaupten, die AG würde jede Gemeinde problemlos ans Glasfasernetz anschließen lassen. „Das stimmt einfach nicht", ärgert sich Holmeier. Eben das hat er ihnen bei einer hochkarätig besetzten Tagung in Berlin auch deutlich gesagt.

Diese politischen Sachfragen beschäftigen Karl Holmeier schon seit langem. In andere Themenkomplexe, die ihn in der Kommunalpolitik bislang nicht betroffen haben, hat sich der 52-Jährige erst eingearbeitet. Beispiel Atomenergie. „Wir werden die deutschen Anlagen, die die sichersten der Welt sind, noch einige Zeit brauchen. Die zusätzlichen Erträge, die dadurch erwirtschaftet werden, sollten für die Forschung im Bereich der alternativen Energien sowie für eine Reduzierung des Strompreises verwendet werden", fasst Karl Holmeier seine Position zusammen. Seine feste Überzeugung hat er auch in Sachen Rentenpolitik. „Ich möchte dafür kämpfen, dass Arbeitnehmer die Rente nach 45 Berufsjahren ohne Abzug bekommen", formuliert er sein Anliegen. Am Herzen liegen ihm zudem eine neue Form der Eigenheimzulage, quasi als Baukindergeld, sowie der Bürokratieabbau für die Beantragung der Ehrenamtspauschale.

Voranbringen, „was der Klaus auf den Weg gebracht", möchte Holmeier im Verkehrsausschuss des Bundestages. Den Ausschusssitz von MdB Klaus Hofbauer würde der Weidinger gerne einnehmen. Und dann? Holmeier: „Wir brauchen die Ortsumgehungen an der B 85, die dritte Fahrspur auf der B 20 nach Straubing und den Ausbau der B 16 von Nittenau nach Regensburg.

"Die  Forderungsliste — von A wie Arbeitsplatzerhalt bis Z wie grenzüberschreitende Zweckverbände — ist lang. Eben das würde Karl Holmeier an der Arbeit im Bundestag reizen. „Das wäre eine riesige Herausforderung", versichert er. Dafür würde er in Kauf nehmen, dass sich nach dem Wahltag sein komplettes Leben ändert. Dass er zum Pendler zwischen großer und kleiner Politik werden würde, dass er in Berlin eine Wohnung und ein Büro bräuchte und er vermutlich Aufgaben in der Heimat anders verteilen müsste. DieWeidinger müssten ihren Volksvertreter dann mit den Bürgern in den Landkreis Cham und Schwandorf teilen, einem Wahlkreis, der größer ist als das Saarland. „Es wäre eine interessant, eine spannende Aufgabe", würde sich Holmeier über einen weiteren Bruch in seinem beruflichen Leben freuen.

 

Quelle: Chamer Zeitung     Text: Elisabeth Geiling-Plötz
 

   
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