Umfassendes Referat von Dr. Ortmaier unterschied die Quellen nach ihrer Rentabilität.
Stamsried. (kk) Zu einem interessanten Vortrag in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung zum Thema Energiebedarf hatten der CSU Kreisverband Cham (Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesentwicklung), sowie die CSU-Ortsverbände Stamsried, Pemfling und Pösing eingeladen. Im Landgasthof Pusl begrüßte Stamsrieds CSU-Ortsvorsitzender Bürgermeister Herbert Bauer die zahlreichen Zuhörer. „In Deutschland gibt es inzwischen mehr Energieexperten als Fußballexperten und das heißt schon was", führte Bürgermeister Bauer schmunzelnd auf das Thema des Abends hin.

Die Energiewende beschäftigt die Öffentlichkeit, denn es gibt kein Zurück mehr. Spätestens Ende 2022 soll das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima will die Bundesregierung noch schneller als ursprünglich geplant aus der Kernenergie aussteigen. Wind und Sonne spielen eine Schlüsselrolle bei der neuen Energiepolitik. Doch was tun, wenn bei bedecktem Himmel Flaute herrscht? Für die Energiewende sind vor allem leistungsfähige Speichertechniken nötig. Gibt es die überhaupt? Elektrische Energie ist eine äußerst flüchtige Ware. In der technisierten Welt treibt sie letztlich alles an, direkt oder indirekt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sie allgegenwärtig und selbstverständlich ist. Dabei hat sie einen nicht unerheblichen Nachteil: Man kann sie nur schwer verpacken, aufbewahren, lagern.

In seinem Vortrag bewies Referent Dr. Erich Ortmaier, Akademischer Direktor a.D. der TU-München und ehemaliges Mitglied im Energiebeirat des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft enormes Fachwissen.

Für Laien verständlich, umfassend und durchaus kritisch erläuterte er, dass der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien im Hinblick auf den stetig steigenden Energiebedarf und die zunehmende Abhängigkeit von Erdöl- und Erdgasf örderländern unumgänglich sei. Ausführlich ging er zunächst auf die gegenwärtige Struktur der Energieversorgung ein und erklärte anschließend das Energiekonzept der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung. Verschiedene Möglichkeiten, Energie anzusparen und erneuerbare Energien zu nutzen werden mit interessanten und finanzkräftigen Förderprogrammen unterstützt.

Problematisch bei den erneuerbaren Energien Sonne und Wind sei, dass sie nur ein zufälliges Angebot böten, und der daraus gewonnene Strom kaum gespeichert werden könne. Im Gegensatz dazu seien bei
der Energiegewinnung aus Biomasse die Lagerung, ein gefahrloser Transport und ein bedarfsgerechter Einsatz möglich.

Zunächst ging Dr. Ortmaier auf die Nutzung der Sonne zur Brauchwassererwärmung ein. Dabei sei die Technik zur Verwendung von Flachkollektoren ausgereift. Auch die Unterstützung von Niedertemperaturheizungssystemen, beispielsweise der Fußbodenheizung in Privathaushalten ist möglich. Insgesamt steht aber der enorme Umweltnutzen im Vergleich zum finanziellen Vorteil im Vordergrund. Um die Sonne zur Wärmegewinnung für die Heizung zu nutzen, gebe es gut funktionierende kristallene Siliziummodelle.

Bedenklich bei den Photovoltaikanlagen sei der geringe Wirkungsgrad, so dass große Flächen erforderlich sind, um die gewünschte Leistung zu erreichen. Sicher kalkulierbare Einspeisungsvergütungen und die Möglichkeit, als Privatmann eine Photovoltaikanlage gewerblich zu betreiben, machen diese Art der Energiegewinnung jedoch (noch) rentabel. „Die Stromerzeugung mittels Photovoltaik ist explodiert", stellte der Referent fest.

Eine untergeordnete Rolle spiele in Bayern die Nutzung von Windkraft; dennoch sei insgesamt die Bedeutung von Windkraft aus ökonomischer und ökologischer Sicht wesentlich. Schon heute werde aus Windkraft mehr Strom gewonnen als aus Wasserkraft. Wenn die Strompreise weiterhin stiegen, werde Windkraft bei optimierter Technik für die Stromerzeugung bald konkurrenzfähig sein. Nicht zu vergessen sei, dass Windkraft ein wichtiger Exportartikel ist.

Zum Ausbau der Windenergie empfahl Dr. Ortmaier Bürgerwindparks. Durch die Bürgerbeteiligung sei weniger Widerstand bei Neuanlagen zu erwarten. Zunehmend wichtig für die Wärmegewinnungund vor allem einsetzbar zum Einspeisen in Fußboden- und Wandheizungen sei die Geothermie. Die Erdwärme wird durch großflächig und oberflächennah verlegte Heizschlangen über eine Elektrowärme-pumpe in den Heizkreislauf eingeleitet.

Zum Abschluss fasste Dr. Ortmaier zusammen, dass momentan durch die Nutzung erneuerbarer Energien jährlich etwa 100 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung betrage derzeit 16 Prozent, an der Wärmenutzung 10 Prozent und im Straßenverkehr (Kraftstoff) 5 Prozent. Als durchaus realistisch sieht der Fachmann eine 100-prozentige Stromversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050.

Im Namen der CSU dankte Bürgermeister Herbert Bauer dem Referenten und überreichte eine heimische Energiequelle: Biomasse in Form von Hochprozentigem.

Energie durch Biomasse
Dr. Ortmaier zu Pellets, Hackschnitzel und Biogas

Nicht kostenlos, aber aufgrund der bedarfsgerechten Einsatzmöglichkeiten vorteilhaft ist laut Referent Dr. Ortmaier die Verwendung von Biomasse.
Zudem sei die Nutzung kohlendioxidneutral und belaste die Umwelt nicht zusätzlich. Gefördert würde derzeit auch der Einbau von Pelletsund Hackschnitzelheizungen. Wegen der ausgereiften Technik und des niedrigen Schadstoffausstoßes können beide Möglichkeiten bedenkenlos empfohlen werden. Berücksichtigt werden müsse bei den Pelletsheizungen der erforderliche große Lagerraum. Hackschnitzel seien insbesondere für größere Anlagen geeignet.

Gegenüber Heizöl und Erdgas seien beide Energielieferanten bei den derzeitigen Preisen voll konkurrenzfähig und rentabel. Große Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung wie Biomasse-Heizwerke, Holzvergasungsanlagen und Biogasanlagen seien nur dann effizient, wenn Kraft und Wärme gekoppelt werden, das heißt, wenn nicht nur der gewonnene Strom, sondern auch die anfallende Wärme Verwendung finden.

Quelle: Chamer Zeitung

   
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