Staatssekretär Markus SackmannVon Elisabeth Geiling-Plötz. Cham. Er hatte einen Traum. Von Kindesbeinen an. „Ich wollte immer in den Landtag. Nie Bundestag. Nur Landtag." Seinen Berufswunsch hat Markus Sackmann in die Tat umgesetzt. 23 Jahre lang saß er im Maximilianeum. 23 Jahre, in denen sich Bayern gewandelt hat, in denen Affären das Land (und die Union) erschüttert und vier Ministerpräsidenten der Politik ihren Stempel aufgedrückt haben. Sackmann hat Höhen und Tiefen durchgestanden, die rauschenden Wahlerfolge und die Krisen:

Er war der Erste, der mitten in der Amigo-Affäre den Rücktritt von Ministerpräsident Streibl gefordert hat, er hat den Machtkampf zwischen Stoiber und Waigel miterlebt, den Rückzug Stoibers in Wildbad Kreuth und die Rückkehr Seehofers. Doch nun ist Schluss. In neun Tagen wird das neue Kabinett vereidigt und Sackmann räumt seinen Platz an Seehofers Seite. Seine Krebserkrankung lässt ihm keine andere Wahl.

Die Entscheidung ist ihm denkbar schwergefallen. Politik ist sein Leben. Oder war es zumindest bis zu. dem Zeitpunkt, als ein Arzt im Juli 2012 drei Gehirntumore entdeckt und die Diagnose sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Das Wertesystem hat sich seitdem komplett geändert. Das eigene (Über-)Leben, die Zeit mit den beiden Kindern und Ehefrau Kristin stehen plötzlich im Vordergrund. Der umtriebige Politprofi ist ruhig geworden. Er sitzt an seinem Schreibtisch im Rodinger Abgeordnetenbüro. „Mir geht es gut", versichert er trotz monatelanger Chemotherapie. Nebenan arbeiten wie gewohnt die zwei Mitarbeiterinnen. Nur dass nun nicht mehr Sackmann danebensteht und die letzten Absprachen trifft - sondern sein Nachfolger, Dr. Gerhard Hopp. „Bei ihm ist alles in guten Händen", betont Sackmann. Die Überzeugung hilft ihm, letzte Akten zu ordnen, noch Anfragen abzuar beiten oder an Hopp weiterzugeben.

Am Konferenztisch mit Merke! und von der Leyen
Am 10. Oktober zieht ein Neuer/ eine Neue in sein Büro im Sozialministerium. Und dabei ist es noch gar nicht lange her, da war Sackmann selbst jener Neue. Im Herbst 2008 hatte ihn Seehofer dorthin beordert. Als Diözesanvorsitzender bei Kolping und Bezirkschef beim BRK kannte er sich in vielen Bereichen schon bestens aus. Anderes eignete sich Sackmann schnellstens an. Zeit für eine lange Eingewöhnung blieb nicht. Die Termine drängten. „Auf die Stimme Bayerns hören alle anderen Bundesländer", hat Sackmann oft festgestellt. Auch damals, als er auf der Arbeits- und Sozialministerkonferenz saß und die Position des Freistaats in Sachen Mindestlohn und Reform der Pflegeversicherung darlegte. Ihm gegenüber Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Oder die Integrationsministerkonferenz, zu der sich sogar Kanzlerin Angela Merkel einfliegen ließ. Auch da meldete er sich und mahnte die bessere Integration von Migrantenkindern an.

Angst vor großen Namen hatte Sackmann nie. Kuschen, der eigenen Karriere willen — das war nicht seine Sache. Eindeutige Angebote in diese Richtung hätte es immer wieder gegeben. Alle hat er rigoros abgelehnt, auch wenn ihm dieses Nein von hochrangigen CSUlern über Jahre nachgetragen wurde.

Schon 1993 ist Seehofer als „Retter" im Gespräch
Vor schweren Entscheidungen stand er mehr als einmal. Das begann schon 1993, als die Amigo-Affäre um den unglücklich agierenden Max Streibl ihrem Höhepunkt zustrebte. Sackmann, damals Landesvorsitzender der Jungen Union, forderte Streibls Rücktritt. In der Fraktion musste er für sein forsches Vorgehen einiges an Prügel beziehen. „Es ging ja nicht um Streibls Lebensleistung oder alleine um die Affäre", denkt Sackmann zurück, „aber von ihm waren keine zündenden Ideen mehr zu erwarten."

Ein Neuanfang musste her. Und den brachte Edmund Stoiber. Doch zunächst musste der ehrgeizige Innenminister einen Machtkampf gegen den Parteivorsitzenden Theo Waigel bestehen. Eine Zerreißprobe für die CSU. Ob seines Fleißes war Stoiber „klar der Beliebtere in der Fraktion". Allerdings hatten die Abgeordneten in diesem krisengeschüttelten Frühling 1993 auch über einen „Plan C" nachgedacht. Und wer wäre dieser ominöse Dritte gewesen? Sackmann lacht: „Seehofer." Im Auftrag der Fraktion hatte der Rodinger den damaligen Bundesminister angerufen. Seehofer lehnte ab.

Auch unter Stoiber ging es in Bayern erst einmal steil bergauf. „Wir haben . Vollgas gegeben", schwärmt Sackmann. Er selbst immer mittendrin. Als JU-Landesvorsitzender war er in der Schaltzentrale der Macht angelangt. Sein —von Weggefährten — oft gerühmtes Netzwerk rührt aus diesen Zeiten. CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner war seine Stellvertreterin, Ex-Wirtschaftsminister Otto Wiesheu sein Vorgänger, Finanzminister Markus Söder sein Nachfolger, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sein Pendant bei der Schülerunion. Die Union setzte zum Höhenflug an. Sackmann selbst erzielt bei der Landtagswahl 2003 mit kaum vorstellbaren 66,2 Prozent sein bestes Ergebnis.

Doch dann kam der Winter 2007. Und mit ihm Stoibers Absturz. Der aktenverliebte Zauderer hatte es sich mit seiner Fraktion verdorben. Nächtelang wurde in Wildbad Kreuth diskutiert — und schließlich der Rücktritt Stoibers herbeigeführt. Sackmann kann sich gut an die Tage im verschneiten Kurbad erinnern. Als Fraktionsvize saß er am Vorstandstisch neben Stoiber. „Ich war überzeugt, dass wir den Wechsel brauchen", schildert der Rodinger seine Stimmungslage. Stoiber neben ihm machte bei jedem Redebeitrag eines Abgeordneten auf einem Zettel ein Plus oder Minus. Freund oder Feind. Sackmann wollte er jedoch nicht ganz ins gegnerische Lager verdammen. „Bei mir war ein Plus und ein Minus", lacht Sackmann.

Jetzt stellt er die Weichen für die Kommunalwahl
Unter Becksteins Ägide packte Sackmann sein wichtigstes Projekt an: Gerade frisch im Amt des Wirtschaftsstaatssekretärs nahm er sich die Förderung des ländlichen Raums vor. Ein Ansinnen, für das er zunächst in München belächelt wurde. „Jetzt hat es sogar Verfassungsrang", stellt er zufrieden fest.

Doch vorbei. Sackmann ist daheim. Ein neuer Wahlkampf steht an. Als CSU-Kreisvorsitzender stellt er die Weichen für die Kommunalwahlen im März 2014. Er selbst wird ebenfalls wieder antreten. Ganz ohne Gremien geht es nicht. „Politik ist eine Droge", gibt er zu. Nur dass er sie jetzt eben in kleineren Dosen genießt.

Quelle: Chamer Zeitung

   
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